Pflege im Osnabrücker Land

In Deutschland gibt es heute 3,4 Millionen alte Menschen, die im Alltag auf fremde Hilfe angewiesen sind. Lt. Auskunft der Bundesregierung bräuchte das Land mindestens 35.000 zusätzliche Fach- und Hilfspfleger, um die Menschen zu versorgen. Der demografische Wandel und die damit einhergehende zunehmende Alterung der Gesellschaft wird diese Lücke in den nächsten 15 Jahren nahezu verzehnfachen, sofern keine wirksamen Lösungen gefunden werden. Diese für Deutschland dargestellte Situation ist ohne Einschränkungen auch auf den Landkreis Osnabrück zu übertragen. Hier müssen zeitnah Konzepte und Lösungen entwickelt werden, um die Pflege im Alter sicherzustellen. Dies geht nur gemeinsam und in enger Kooperation mit allen beteiligten Akteuren. Die Pflege und Versorgung im Alter sehe ich als eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte an.

Pflege und ärztliche Versorgung

Ergänzend einige Auszüge aus dem Niedersächsischen Pflegegesetz:
Ziel dieses Gesetzes ist es, eine leistungsfähige, wirtschaftliche und räumlich gegliederte pflegerische Versorgungsstruktur zu gewährleisten, die mit einer ausreichenden Zahl von Pflegeeinrichtungen eine ortsnahe, aufeinander abgestimmte, dem allgemein anerkannten medizinisch-pflegerischen Erkenntnisstand entsprechende ambulante, teilstationäre und vollstationäre Versorgung der Pflegebedürftigen sicherstellt (notwendige pflegerische Versorgungsstruktur). […]
Im Zuständigkeitsbereich eines Landkreises oder einer kreisfreien Stadt können eine Pflegekonferenz (örtliche Pflegekonferenz) oder mehrere solcher Konferenzen gebildet werden, um dort Fragen
1.der pflegerischen Versorgung der Bevölkerung,
2.der notwendigen pflegerischen Versorgungsstruktur,
3.der Koordinierung von Leistungsangeboten
zu beraten.

Aktuelle Situation:

• In den nächsten Wochen besuche ich verschiedene Pflegeeinrichtungen (gemeinnützig und privatwirtschaftlich) im Landkreis Osnabrück, um mir einen eigenen Eindruck zu verschaffen und die spezifischen Probleme und Bedarfe zu erkennen.
• Bei meinen Gesprächen mit Herrn Eich von der Caritas Nordkreispflege wurde mir eine neue Form der altersgerechten Betreuung in Form der „ambulant betreuten Hausgemeinschaften“ des St. Franziskus Hauses in Merzen vorgestellt. Diese hat m.E. das Potential auf den gesamten Landkreis Osnabrück und darüber hinaus übertragen werden zu können. Im Sinne eines Modellcharakters könnte hier der Landkreis bei einer flächenmäßigen Ausbreitung in den Kommunen unterstützen und dieses Konzept weiter fördern.

• Vorteile: kleine, bedarfsgerechte Einrichtung; Menschen verbleiben im sozialen Umfeld Ihrer Kommune; unterschiedliche Wohnformen möglich; höhere Selbstbestimmung der Bewohner; ehrenamtliche Unterstützung aus dem Umfeld ist deutlich einfacher zu realisieren; im Ergebnis kostengünstiger für den Sozialhilfeträger; Kombination mit Digitalisierung möglich;

• Es bleibt jedoch zu betonen, dass der Bereich der „Pflege“ ein hoch komplexes Thema ist und nicht eindimensional betrachtet werden kann! Gerade diese mehrdimensionale Betrachtung macht die enge Verzahnung und Kooperation aller Akteure nicht nur notwendig, sondern zwingend! Hier muss der Landkreis auch weiterhin eine koordinierende und moderierende Rolle einnehmen.

Meine Ziele und Aufgaben:


• Pflege-Gipfel (Pflegekonferenz) im LK OS in den ersten 100 Tagen Amtszeit
• Image-Kampagne für den Landkreis Osnabrück. Auch hier sollte das Thema „Pflege“ einen herausgehobenen Stellenwert bekommen
• Netzwerke zwischen den Pflege-Schulen und den Einrichtungen müssen intensiviert und ausgebaut werden (Keine Konkurrenz zwischen den Pflegeschulen, sondern Kooperation/Fusion!)
• Landkreis Osnabrück muss eine umfassende Analyse der Ist-Situation durchführen und die Problembereiche transparent aufzeigen, Gesellschaft aufklären
• Entwicklung eines Masterplans „Pflege im LK OS“
• Solche bisher im kommunalen Bereich gut funktionierenden Konzepte und Ideen müssen weiterentwickelt und übertragen werden. Die Aufgabe des Landkreises und der Kommunen ist dabei, in enger Abstimmung mit den Trägern der Pflegeeinrichtungen, geeignete Standorte/Flächen zu identifizieren und bereitzustellen. An Investoren und Mietern/Bewohnern mangelt es nicht. So wäre ein sukzessiver und flächendeckender Ausbau möglich.
• Leben und Pflegen im Landkreis Osnabrück, Gewinnung von Auszubildenden (aber auch FSJ, Freiwilligendienst) für den Pflegeberuf aus anderen Regionen
• Anreize setzen durch finanzielle Zuschüsse des Landkreises für FSJ’ler und Bundesfreiwilligendienst
• Stärkung des Ehrenamtes im LK OS


Aktuell:
• Der LK macht viele gute Beratungs- und Unterstützungsangebote zB mögliche Beratungsthemen zu folgenden Themen: Pflegegrade 1-5 (ehemals Stufen 1-3), Begutachtungsablauf des MDK, Rehabilitation, Ambulante/Stationäre Pflege, Wohnberatung, Ehrenamt, Selbsthilfegruppen, Pflegeversicherung, Pflegeschulung, Individuelle Hilfen,
• Für die Fachberatung stehen geschulte Mitarbeiter des LK zur Verfügung.
• Pflegebedürftige in Heimen haben einen Anspruch auf Sozialhilfe nach § 61 gg SGB, sofern die eigenen Mittel, die Leistungen von anderen Sozialleistungsträgern und unterhaltspflichtigen Angehörigen nicht ausreichen, um die Heimkosten zu begleichen.


Politische Forderung:
• Wir wollen, dass Pflegekräfte mehr Zeit für die Menschen haben, die sie betreuen.
• Wollen ein beispielhafter LK für weniger Bürokratie in der Pflege werden. Danke an alle Pflegekräfte, die einen unglaublich wichtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben!

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